Marokko Teil 4 – Von der Wüste bis ans Meer, oder: Die wohl längste Fahrt meines Lebens

18 Uhr, Irgendwo zwischen der Sahara und dem Atlas-Gebirge

Ich befinde mich in einem Bus auf dem Rückweg von Zagora nach Marrakesch, um vor dort aus weiter an die nördliche Atlantikküste zu fahren. Langsam schaukelt sich das Gefährt vom palmenbestandenen Draa-Tal in die ersten, höheren Gebirgszüge des Atlas. An das Geschaukel hab ich mich durch die Woche auf dem Kamelrücken gewöhnt, die ältere Dame neben und ihre Freundinnen in den Reihen vor und hinter mir leider nicht. Was dazu führt, dass mindestens eine von ihnen, ziemlich genau im Viertel-Stunden-Takt brechen muss. Jedes Mal blickt mich meine Sitznachbarin vorher leidend an, schickt ein kurzes Stoßgebet zu Allah und übergibt sich.

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Marokko Teil 3 – Die Sahara – Zweiter Akt, oder: Von Kopfabschneidern, Skorpionen und verrückten Nomaden

Irgendwo in der Sahara

Ich habe irgendwann aufgehört auf meine Uhr zugucken.

Seit Stunden reiten Hamid und ich nun schon über flimmernden Wüstensand in Richtung des Berberlagers, in dem Hamid wohnt und in dem wir die erste Nacht in der Sahara schlafen.

Mein Arsch hat noch nie so weh getan.

Scheiß Kamel.

Im gleichen Moment tut mir der Gedanke schon wieder leid und ich beuge mich auf dem schwankenden Ungetüm, das mich treu in Richtung des Lagers trägt, nach vorne und tätschle dessen Hals.

»War nicht böse gemeint, Zada. Gutes Kamel«, sage ich, während Zada in einer Art zustimmender Geste lautstark rülpst.

Zwar können wir die Jurten des Lagers schon seit einiger Zeit sehen, wirklich näher zu kommen scheinen sie allerdings nicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit im Sattel, der sich eher so anfühlt wie eine Eisenstange, über die jemand lieblos eine Wolldecke geworfen hat, beschließe ich abzusteigen und das letzte Stück bis zum Berberlager zu laufen.

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Marokko Teil 2 – Die Sahara – Erster Akt, oder: Wofür brauche ich einen Turban?

Marrakesch

Wie mit Scheuklappen laufe ich durch die Straßen, ständig darauf bedacht, zu keinem Zeitpunkt den Eindruck zu erwecken, dass ich an irgendetwas interessiert sein könnte, das sich in einem der umliegenden Geschäfte abspielt. Falle ich aus der Rolle und treffe versehentlich den Blick eines Verkäufers am Straßenrand, habe ich verloren. So aufdringlich sind nicht einmal die Zeugen Jehovas.

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