Welcome to Trench Town, oder: Reggae, Weed und Jürgen Klopp – Teil 2

Trench Town, Jamaika

Kaum haben wir den Culture Yard verlassen, sind wir in einer anderen Welt.

War im Yard alles mit einer Art nostalgischem Schleier überzogen und der Rost, der abblätternde Putz und die verwitterten bunten Farben der Außenwände von einem fast schon romantischen Hauch der Vergänglichkeit umgeben, dann ist das hier das Gegenteil.

Die Wellblechhütten, die Autowracks, die Einschusslöcher an einigen Wänden:

Kein verklärtes Überbleibsel vergangener Zeiten. Das hier ist echt.

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Auf Bob Marleys Spuren, oder: Reggae, Weed und Jürgen Klopp – Teil 1

„I remember when we used to sit in the government yard in Trench Town.

Oba – obaserving the ‚ypocrites as they would mingle with the good people we meet.“

– Bob Marley, „No Woman No Cry“

Trench Town/Kingston

Ich muss nach Trench Town. Ich muss.

Es führt kein Weg daran vorbei, dem wohl berüchtigsten und gleichzeitig faszinierendsten Stadtteil Kingstons einen Besuch abzustatten.

Zu oft habe ich Bob Marley in seinen Liedern darüber singen hören.

Zu oft habe ich mich gefragt, woher diese Lieder stammen.

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Leben und Sterben in Kingston – Teil 1, oder: Leben in Kingston

Jede Medaille hat zwei Seiten. In keiner Stadt wird das so schnell, so brutal deutlich, wie in Kingston.

Kingston, Jamaika

„Bleib auf jeden Fall heute Abend im Hostel. Es ist schon dunkel, auf der Straße hauen sie dich tot. Wenn nicht für Geld, dann nur zum Spaß. Und wenn du morgen doch rausgehen willst, dann auf keinen Fall alleine“, gab mir mein Taxifahrer gestern Abend noch mit auf den Weg, als er mich vom Flughafen vor meinem Hostel absetzte. Ich verabschiedete mich irritiert lächelnd von ihm, während ich vor dem Eingangstor stehend argwöhnisch die spärlich beleuchtete Straße auf und ab blickte.

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Couchsurfing vor der Haustür – Teil 1, oder: Lang lebe der Durchschnitt

 ​Møgeltønder/Dänemark

 

​Mit „Couchsurfing im Iran“ schrieb Stephan Orth nicht nur einen Bestseller, sondern befeuerte gleichzeitig einen Hype, der zwar nicht neu, aber dennoch nicht bei allen Reisenden angekommen ist.

Und nicht nur das, er gab mir damit auch die Idee für eine Sommerserie, um das Sommerloch bei der Zeitung zu füllen.

Aber warum immer gleich so weit in die Ferne?

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Planlos durch Guantanamo, oder: Kakaotrinken in Zeiten der Cholera (Kuba – Teil 5)

5. Januar, Baracoa/Guantanamo

„Guantanamo“. Als ich den Namen in verwitterten Buchstaben auf dem rostigen Ortsschild der Stadt sehe, habe ich plötzlich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Zu viele schreckliche Berichte und verwackelte Bilder von Menschen mit Säcken über dem Kopf flackerten bereits durch die Medien, als dass es nicht so wäre.


Das Städtchen selbst wirkt indessen völlig unbeeindruckt vom Grund seiner traurigen Berühmtheit. Kinder spielen mit einer zertretenen Cola-Dose Fußball auf der Straße, ein älterer Mann mit Strohhut fährt mit seiner bis zur Belastungsgrenze der Achse beladenen Pferdekutsche holpernd über die Straße und ein überdimensionales Propaganda-Banner am Ortseingang zeigt „El Comandante“ Fidel Castro und seine Mannen zu Zeiten der Revolution, die Gewehre stolz in die Luft gestreckt, während die kubanische Flagge dezent in den Hintergrund retuschiert wurde.

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Ich, der Tanz-Nazi, oder: Eskalation, Exzess und Extravaganz einer kubanischen Weihnacht (Kuba – Teil 3)

Die folgenden Ereignisse spielen 24 Stunden nach dem letzten Blogeintrag 

24. Dezember, Remedios/Kuba

„Ach, Weihnachten ist schon schön. Die Ruhe, die Muße und Behaglichkeit. Nicht wahr, Kuba?“, frage ich die Karibikinsel.

„Fuck You!“, sagt Kuba und schmeißt mir seinen gesammelten Wahnsinn um die Ohren.

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Die rumgetränkte Geschichte einer kubanischen Odyssee – Teil 1

Havanna, Kuba – 23. Dezember

Ich bin jetzt seit etwa einer Woche in Kuba und war zwar bisher noch in keinem Museum, dafür aber in so gut wie jeder Bar, die sich im Umkreis von einem Kilometer um mein Bett befindet.

Um dem stetigen Kulturverfall meiner selbst entgegenzuwirken, habe ich daher beschlossen, heute etwas mit kulturellem Hintergrund zu unternehmen. Und da die Rumproduktion einen der bedeutendsten Eckpfeiler der kubanischen Geschichte darstellt, fiel meine Wahl auf die Besichtigung der Havana Club Fabrik.

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