The Star-Spangled Boxershorts, oder: Warum man immer kontrollieren sollte, ob man seinen Schlüssel dabei hat, bevor man die Tür zuzieht.

Flensburg, Sonntag, 6 Uhr morgens.
Irgend etwas zwickt an meiner Nase.

Ich blinzle schlaftrunken und sehe direkt in die Augen meines Hundes Polli, der auf meinem Bauch steht und mich schwanzwedelnd anblickt, während er mir abermals in die Nase beißt.

„Musst du pinkeln?“, frage ich ihn. Er beißt mir noch mal in die Nase.

Ich interpretiere das als „Ja“.

Ohne wirklich die Augen zu öffnen, steige ich aus dem Bett in meine Schlappen, klemme den Hund unter meinen Arm und zieh die Tür hinter mir zu um Polli die Treppen herunter in den Garten zu lassen.

Dann bin ich schlagartig wach.

„Fuck“, denke ich nur, während das Geräusch des einrastenden Türschlosses durch den Hausflur hallt und ich den Türknauf immer noch in der Hand halte.

Weiterlesen

Wer die Vergangenheit vergisst, ist verurteilt, sie zu wiederholen, oder: Warum niemals wieder weggeschaut werden darf

Auschwitz, Polen, 13. März

„Those who do not remember the past are condemned to repeat it – Wer die Vergangenheit vergisst, ist verurteilt, sie zu wiederholen“
Als ich heute dieses Zitat von George Santayana in einer Baracke im Konzentrationslager Auschwitz las, wurde mir abermals verdeutlicht, wie real, wie akut und wie gefährlich die aktuellen Entwicklungen in Deutschland und Europa wirklich sind. Und nein, das ist nicht weit hergeholt und ja, das kann man vergleichen. Führt man sich vor Augen wie vor 80 Jahren alles begann, ist es, als bekäme man einen Spiegel vor das gehalten, was zurzeit beinahe täglich in Clausnitz, in Heidenau, in Dresden und in hundert anderen Orten passiert.

Weiterlesen

Neues aus dem Schrebergarten II, oder: The Return of the Kleingärtner

Parzelle Nummer 6 , Schrebergarten-Kolonie 113 des Flensburger Kleingärtnervereins e.V.

Herrlich. Schönster Altweibersommer. Ich sitze mit meinem Vater und meiner Freundin im Kleingarten und versuche die eventuell letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres mit einem leckeren Herbst-Grillen zu zelebrieren.

Unsere Parzelle ist mittlerweile ein kleines, zwar nicht perfektes, aber gemütliches Fleckchen Erde geworden. Kein Verkehr, kein Fernsehen, keine Menschen.

Es hat fast schon etwas Zen-artiges hier gemeinsam zu sitzen, zu essen und Bier zu trinken, unabhängig des Unkrauts, der verwelkten Blumen im überwucherten Beet und der vermeintlichen Altlasten, die noch im Boden schlummern.

„Moin“

Ich zucke zusammen.

Ernst.

Weiterlesen

Heidenau ist überall

Die Geschehnisse im sächsischen Heidenau werfen einen Schatten auf das Land. Sie zerstören das fragile Bild eines weltoffenen Landes, das sich Deutschland Stück für Stück erarbeitet hat, nachdem es Jahrzehnte mit den Nachwirkungen der nationalsozialistischen Terrorherrschaft im Dritten Reich zu kämpfen hatte. Von »Dunkeldeutschland« spricht Bundespräsident Gauck. Von Ostdeutschland als Wallfahrtsort für »rechtes Pack«, sprechen andere. Doch Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind kein rein ostdeutsches Problem. Heidenau ist überall.

Weiterlesen

Neues aus dem Schrebergarten, oder: Wahnsinn zwischen Oettinger und Orchideen.

Kolonie 113, Nummer 6. Das bin ich. Und Sören, Sientje, Cord und Johanna. Zusammen haben wir uns vor einigen Monaten freiwillig dazu entschlossen, ein Stückchen Grünfläche samt Hütte zu mieten und damit unfreiwillig Teil eines suburbanen, gesellschaftlichen Randprodukts zu werden, dass im Allgemeinen als Schrebergartensiedlung oder Kleingartenverein tituliert wird.

Weiterlesen