Weltfischbrötchentag, oder: Warum ein Fischbrötchen manchmal mehr ist, als nur ein Fischbrötchen

Ein Fischbrötchen, ist ein Fischbrötchen, ist ein Fischbrötchen.

Sorry, liebe Gertrude Stein, ist es nicht!

Ein Fischbrötchen ist nicht nur ein Fisch in einem Brötchen.

Ein Fischbrötchen ist ein Stück maritimes Kulturgut IN FORM eines Fisches in einem Brötchen!

Eine Tatsache, die endlich auch in der breiten Gesellschaft Gehör zu finden scheint, immerhin wird in diesem Jahr bereits zum x. Mal der Weltfischbrötchentag zelebriert.

Um diesen Tag gebührend zu feiern, vier Schritte für den fachgerechten Verzehr dieser kulinarischen Inkarnation norddeutscher Ideologie:

Schritt 1 – Die Wahl der richtigen Fischbude

Grundregel: Wer etwas von sich hält, macht einen großen Bogen um Fischbrötchen-Ketten jeglicher Art. Mehr als Instant-Lachs und trockene Aufbackbrötchen haben Nordsee & Co. als fischiges Starbucks-Pendant und pseudo-norddeutsches Flaggschiff der Fast-Food-Kultur meist nicht zu bieten.

Der wahre Fischbrötchen-Gourmand weiß, ein gutes Fischbrötchen kommt nicht von der Stange.

Faustregel:  Nicht vom Äußeren der Bude täuschen lassen. Kleine Bretterbuden sind meist die besten.

(Bestes Beispiel: Bens Fischhütte am Flensburger Hafen)

Nebenregel: Ein freundliches Lächeln macht noch kein gutes Fischbrötchen. Empirische Forschungen zeigen, dass die unfreundlichsten Fischbrötchenverkäufer meist die besten Brötchen machen. Denn, umso weniger Liebe er dir entgegenbringt, umso mehr Liebe steckt der Fischverkäufer meist in seine Fischbrötchen.

Im Grunde sind Fischbrötchenverkäufer in zwei Kategorien zu unterteilen:

Die Puristen – Sie setzen auf schnörkellose Ästhetik, lassen den Fisch für sich sprechen und wollen, dass der Kunde vom puren Geschmackserlebnis eines eingelegten Herings nicht durch etwaigen Firlefanz abgelenkt wird.

Heißt: Zwei Brötchenhälften, ein Fisch, Zwiebeln. Im Extremfall: eine Gurke.

Die Avantgarde – Foodies, Hedonisten, Hipster, sie alle haben mittlerweile den Weg, vorbei an Gourmet-Burger-Ketten und veganen Burrito-Wagen zur nächsten Fischbude gefunden.

Studenten und Street-Food-Artists haben diesen Trend für sich entdeckt und versuchen sich zurzeit gegenseitig mit immer ausgefalleneren Fischbrötchen-Variationen ihre vollbärtigen, Manbun-tragenden Kunden abzuringen.

Heißt: Sushi meets Fischbrötchen, Low-Carb-Vollkorn-Müsli-Semmeln, mariniertes Jakobsmuschel-Sandwich, Limonen-Dorsch an Cranberry-Dressing und, und, und.

Schritt 2 – Die Wahl des Brötchens

Hier kommt es zur Gretchen-Frage: weiches oder hartes Brötchen?

Eine Frage, die schon Freundschaften zerstört, Ehen auf den Prüfstand gestellt und vielleicht sogar Kriege provoziert hat (letzter Punkt ist historisch umstritten).

Beides hat seine Vor- und Nachteile, Geschmäcker sind halt verschieden, „Hauptsache frisch“, heißt daher die Devise.

Schritt 3 – Die Wahl des Fisches

Steht man also endlich vor der Fischbude seines Vertrauens, steht man gleichzeitig auch vor der nächsten, ungleich schwierigeren Entscheidung, der Wahl des Fischbrötchens.

Im Gegensatz zur Wahl der Fischbude gibt es hier kein richtig oder falsch.

Gehe ich auf Nummer sicher und bestelle Bismarckhering oder bin ich abenteuerlustig und probiere etwas aus der Räucherfischtheke?

Oder vielleicht doch Krabben?

(Fun Fact: Krabbenbrötchen sind gar keine Fischbrötchen)

Zur Entscheidungsfindung kann das Einbeziehen einiger Faktoren hilfreich sein:

a) Ist das Brötchen Konter-Nahrung für den Kater vom letzten Suff oder Grundlage für den nächsten?

Bei letzterem wäre Räucherlachs die sichere Wahl, bei ersterem eher Matjes.

Doch auch hier kann es zur Beatles-oder-Stones-Frage kommen: skandinavischer oder holländischer Matjes? Eine Grundsatzentscheidung. Mild oder herb? Womit wir bei Faktor b) währen:

b) Was trinkt man zum Fischbrötchen? Bier, Cola? Oder vielleicht doch einen 1983er Château Pétrus?

Faustregel: Umso süßer das Getränk, umso herber der Fisch.

c) Ist man nach Genuss des Fischbrötchens auf zwischenmenschlichen Kontakt angewiesen? (Gespräch mit den Kollegen, rummachen mit dem/der FreundIn/Geliebten/Fremden etc.).

Wenn ja, wäre abermals Lachs die sicherere Lösung, Matjes auf der anderen Seite ein geruchstechnischer Supergau.

Schritt 4 – Der stilvolle Genuss

Ist die Entscheidung gefallen, und das „was“ steht, geht es nun ums „wie“.

Wem schon einmal Matjessoße in den Ärmel gelaufen ist, weiß, dass man Fischbrötchen nicht im gehen essen sollte.

Ideal: eine ruhige Bank unweit des Meeres, schwankende Schiffsmasten im Augenwinkel, Möwen über dem Kopf, Salzwassergeruch in der Nase. Doch nicht jedem ist es vergönnt sein Fischbrötchen am Hafen zu verköstigen.

Kein Problem, Meer ist zu 90 Prozent Kopfsache.

Man sollte daher bereits im Vorfeld versuchen, sich in einen maritimen Gemütszustand zu versetzen, unabhängig der geographischen Lage der Fischbude. Ob Nordsee oder Bodensee, in dem Moment in dem man zum ersten Mal in sein Fischbrötchen hineinbeißt, sollte im Kopf ein Shanty-Chor anfangen „La Paloma“ zu singen.

Versuche von diesem Zustand möglichst lange zu zehren, selbst wenn du bereits aufgegessen hat, denn wisse, dass dieses Gefühl nur von kurzer Dauer ist. Dein Körper setzt alles daran, dein gerade verzehrtes Fischbrötchen schnellstmöglich zu verdauen, was schon bald zu neuen Hungergefühlen führt.

Doch verzage nicht, denn, nach dem Fischbrötchen ist vor dem Fischbrötchen. Irgendwo wartet bereits der nächste unfreundliche Fischverkäufer darauf, dass du ihm mit deiner Bestellung den Tag nur noch weiter zu vermiesen scheinst.

Oder, um eine Analogie zum Muttertag herzustellen:

Ist nicht jeder Tag Weltfischbrötchentag?

Der Ruf der Aale bei Facebook

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